Das HBO-Drama "Industry" wird sich in seiner vierten Staffel, die am Sonntag Premiere feiert, mit dem komplexen und zunehmend politisierten Thema der Altersverifikation auseinandersetzen. Die Co-Autoren Konrad Kay und Mickey Down gaben an, dass sie anfangs nicht damit gerechnet hatten, in welchem Ausmaß die Altersverifikation zu einem Gegenstand intensiver politischer Debatten werden würde, als sie mit dem Schreiben der Drehbücher begannen.
Die neue Staffel geht über den Finanzsektor hinaus und taucht in die Welten der Technologie, der Pornografie und der Politik ein. Der zentrale Konflikt dreht sich um Tender, ein kürzlich an die Börse gegangenes Fintech-Unternehmen, und seine Beziehung zu Siren, einer Erwachsenenplattform ähnlich wie OnlyFans. Es entbrennt ein Machtkampf zwischen den Führungskräften von Tender darüber, ob die Zahlungsabwicklung für Siren fortgesetzt werden soll, die zusammen mit anderen Glücksspiel- und Erwachsenenunterhaltungsunternehmen einen erheblichen Teil des Umsatzes von Tender ausmacht.
Einige Führungskräfte von Tender sind besorgt über potenzielle Gesetze zur Altersverifikation und die Anti-Pornografie-Rhetorik der britischen Labour Party. Diese Führungskräfte glauben, dass die Trennung von Siren dem Image des Unternehmens zugute käme. "Es lag in der Luft der britischen Politik, aber es stand nicht im Vordergrund, als wir anfingen, die Drehbücher zu schreiben oder zu drehen, und dann flammte es wirklich als eine Art Titelseitenthema der BBC auf", sagte Kay.
Die Altersverifikation ist weltweit zu einem umstrittenen Thema geworden, bei dem Regierungen und Interessengruppen darum ringen, wie Minderjährige vor dem Zugriff auf schädliche Online-Inhalte geschützt werden können, während gleichzeitig die Privatsphäre des Einzelnen und die freie Meinungsäußerung respektiert werden. Verschiedene Länder haben unterschiedliche Ansätze untersucht, die von obligatorischen Alterskontrollen mit staatlichen Ausweisen bis hin zur Nutzung von KI-gestützter Gesichtserkennung und Verifizierungsdiensten Dritter reichen. Die Debatte geht über die Pornografie hinaus und umfasst auch andere altersbeschränkte Inhalte wie Glücksspiel, Alkohol und sogar Social-Media-Plattformen.
Das Gesetz über digitale Dienste der Europäischen Union beispielsweise enthält Bestimmungen, die Online-Plattformen verpflichten, altersgerechte Maßnahmen zum Schutz von Minderjährigen zu ergreifen. In ähnlicher Weise haben in den Vereinigten Staaten verschiedene staatliche Parlamente Gesetze zur Altersverifikation für den Zugang zu Erwachsenen-Websites erwogen oder erlassen. Diese Bemühungen stoßen oft auf rechtliche Einwände, die Fragen nach der Verfassungsmäßigkeit und Wirksamkeit solcher Maßnahmen aufwerfen. Der Ausgang dieser Debatten wird wahrscheinlich die Zukunft der Online-Content-Regulierung und die Verantwortung von Technologieunternehmen beim Schutz gefährdeter Bevölkerungsgruppen prägen.
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